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Traefik statt NGINX für einen wachsenden Docker-Compose-Stack
Ab acht Services im Docker-Compose-Stack wird nginx.conf zur Wartungslast. Traefik liest Service-Konfiguration direkt aus Docker-Labels, terminiert TLS automatisch über ACME und braucht keine separate Konfigurationsdatei. Warum ich gewechselt habe und wie die Konfiguration aussieht.

Inhalt
- Das Problem mit einem wachsenden Stack
- Was Traefik anders macht
- Konfiguration für lokale Entwicklung
- Konfiguration für Produktion
- Was die IP-Level-Rate-Limit-Middleware bringt
- Was sich im Alltag ändert
- Alle Artikel der Serie
Das Problem mit einem wachsenden Stack
Local Insight läuft in Docker Compose. Beim Start des Projekts waren es vier Services. Heute sind es acht: Backend, Frontend, Zitadel, Zitadel-Login-UI, MinIO, Redis, Qdrant und demnächst Postgres. Jeder neue Service, der nach außen erreichbar sein muss, braucht in NGINX einen eigenen server-Block in nginx.conf.
Das klingt nach Kleinkram, wird aber zum echten Problem, sobald mehrere Personen am Stack arbeiten oder die Konfiguration häufig angepasst wird. Die Konfiguration lebt an einem anderen Ort als der Service. Wer einen neuen Service in docker-compose.yml anlegt, muss gleichzeitig nginx.conf öffnen und bearbeiten. Die zwei Dateien driften auseinander.
Dazu kommt TLS. NGINX verwaltet kein eigenes Zertifikat. Das braucht einen Certbot-Sidecar, ein Cron-Renewal-Skript und eine Volume-Struktur für die Zertifikatsdateien. In Produktion ist das lösbar, aber es ist zusätzliche Infrastruktur, die gepflegt werden muss.
Ich habe Traefik ausprobiert und bin dabei geblieben.
Was Traefik anders macht
Traefik ist ein Cloud-Native-Reverse-Proxy, der für dynamische Container-Umgebungen gebaut wurde. Der entscheidende Unterschied zu NGINX: Traefik konfiguriert sich selbst aus Docker-Labels auf den Services.
Wenn ich einen neuen Service in docker-compose.yml anlege und ihm Labels mitgebe, weiß Traefik sofort, wie er erreichbar sein soll, welchen Port er verwendet und ob er hinter einem Middleware-Stack laufen soll. Keine separate Konfigurationsdatei, kein Neustart des Proxys.
Ein Vergleich für den konkreten Setup:
| Faktor | Traefik | NGINX |
|---|---|---|
| Service-Konfiguration | Labels im Compose-File | Separater Server-Block in nginx.conf |
| Automatisches TLS | Eingebaut via ACME/Let’s Encrypt | Certbot-Sidecar + Cron-Renewal |
| Rate Limiting | Middleware als Label | Separater limit_req_zone-Block |
| Dashboard | Eingebaut, zeigt alle Routes live | Nicht vorhanden |
| Konfigurationspflege | Labels liegen beim Service | Separate Datei wächst mit Service-Anzahl |
NGINX ist die richtige Wahl, wenn ein einzelner Service maximal kontrolliert werden muss. Für einen Stack, der wächst, ist Traefik die bessere Entscheidung.
Konfiguration für lokale Entwicklung
Im lokalen Setup läuft Traefik ohne TLS. Das Dashboard ist auf Port 8085 erreichbar und zeigt alle erkannten Routes, Middlewares und Health-Status der Services.
Der Traefik-Service in docker-compose.override.yml:
traefik:
image: traefik:v3.3
command:
# Enable Docker provider, do not expose containers by default
- "--providers.docker=true"
- "--providers.docker.exposedbydefault=false"
- "--entrypoints.web.address=:80"
# Enable API dashboard for local development
- "--api.dashboard=true"
- "--api.insecure=true"
ports:
- "80:80"
- "8085:8080"
volumes:
# Read-only access to Docker socket for label discovery
- "/var/run/docker.sock:/var/run/docker.sock:ro"
networks:
- app-networkDie Labels am Backend-Service:
backend:
labels:
- "traefik.enable=true"
- "traefik.http.routers.backend.rule=Host(`api.localhost`)"
- "traefik.http.routers.backend.entrypoints=web"
- "traefik.http.services.backend.loadbalancer.server.port=3000"
# IP-level rate limit: 60 requests/min, burst 20
- "traefik.http.middlewares.backend-ratelimit.ratelimit.average=60"
- "traefik.http.middlewares.backend-ratelimit.ratelimit.burst=20"
- "traefik.http.routers.backend.middlewares=backend-ratelimit"exposedbydefault=false ist wichtig: Traefik ignoriert Services, die kein traefik.enable=true-Label haben. Ohne das würde jeder neue Container im Netzwerk automatisch gerouted.
Konfiguration für Produktion
In Produktion kommen HTTPS und automatische Zertifikatsverwaltung dazu. Traefik spricht direkt mit der Let’s Encrypt-API über das ACME-Protokoll und speichert die Zertifikate in einem Docker-Volume.
traefik:
image: traefik:v3.3
command:
- "--providers.docker=true"
- "--providers.docker.exposedbydefault=false"
# HTTP entry point redirects to HTTPS
- "--entrypoints.web.address=:80"
- "--entrypoints.web.http.redirections.entrypoint.to=websecure"
- "--entrypoints.web.http.redirections.entrypoint.scheme=https"
- "--entrypoints.websecure.address=:443"
# ACME/Let's Encrypt TLS resolver
- "--certificatesresolvers.letsencrypt.acme.email=${ACME_EMAIL}"
- "--certificatesresolvers.letsencrypt.acme.storage=/letsencrypt/acme.json"
- "--certificatesresolvers.letsencrypt.acme.tlschallenge=true"
ports:
- "80:80"
- "443:443"
volumes:
- "/var/run/docker.sock:/var/run/docker.sock:ro"
# Persistent volume for TLS certificates
- "letsencrypt_data:/letsencrypt"
networks:
- app-networkDer Backend-Service bekommt in Produktion HTTPS-Labels:
backend:
# No direct port binding — Traefik is the only entry point
ports: []
labels:
- "traefik.enable=true"
- "traefik.http.routers.backend.rule=Host(`${BACKEND_DOMAIN}`)"
- "traefik.http.routers.backend.entrypoints=websecure"
- "traefik.http.routers.backend.tls.certresolver=letsencrypt"
- "traefik.http.services.backend.loadbalancer.server.port=3000"ports: [] auf dem Backend-Service entfernt die direkte Host-Bindung. Der Node.js-Prozess ist von außen nur über Traefik erreichbar.
Was die IP-Level-Rate-Limit-Middleware bringt
Die ratelimit-Middleware in Traefik begrenzt Anfragen pro IP-Adresse, bevor sie Node.js überhaupt erreichen. Bei average=60 und burst=20 bedeutet das: 60 Anfragen pro Minute mit kurzem Burst-Spielraum.
Das ist Layer 1. Es stoppt Bots und einfache DDoS-Versuche auf Proxy-Ebene, ohne dass ein einziger JavaScript-Event-Loop-Tick verbraucht wird.
Was diese Schicht nicht kann: pro-Nutzer-Limits. Traefik hat keinen Zugriff auf den dekodierten JWT-Inhalt. Zwei Nutzer hinter derselben IP teilen sich das IP-Limit. Das ist korrekt für Missbrauchsschutz auf Netzwerkebene, aber nicht ausreichend für Quota-Enforcement auf Account-Ebene.
Dafür gibt es Layer 2. Den beschreibe ich im nächsten Artikel.
Was sich im Alltag ändert
Das Dashboard auf localhost:8085 zeigt live, welche Routes erkannt wurden, welche Middlewares aktiv sind und ob Services gesund sind. Wenn ein neuer Service Labels bekommt und Traefik neu geladen wird, erscheint die Route innerhalb von Sekunden im Dashboard.
Wenn ich in Produktion eine neue Domain einrichten will, füge ich dem Service zwei Labels hinzu. Traefik fragt Let’s Encrypt, bekommt das Zertifikat und die Domain ist HTTPS-fähig. Kein Certbot, kein Cron-Job, kein Zertifikatsdatei-Volume manuell anlegen.
Das ist der Hauptvorteil, den ich in der Praxis spüre: Der cognitive overhead für jede neue Route ist minimal.

Das Diagramm zeigt Traefik als einzigen externen Einstiegspunkt vor dem Stack. HTTP-Requests kommen auf Port 80 (lokal) oder 443 (Produktion) an. Traefik liest die Docker-Labels der Services und leitet Requests entsprechend weiter. Backend und Frontend haben keine direkte Host-Port-Bindung mehr in Produktion.
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